Vorkriegsfahrzeug

Fahrzeug aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, meist bis Baujahr 1939. Der Begriff ist nicht offiziell definiert; die Zeitgrenze variiert je nach Quelle.

Als Vorkriegsfahrzeug (auch Vorkriegswagen oder Vorkriegs-Oldtimer) wird ein Automobil aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Eine amtliche oder einheitliche Definition gibt es nicht – der Begriff stammt aus dem allgemeinen Sprachgebrauch der Oldtimer-Szene. Am gebräuchlichsten ist die Grenze bis Baujahr 1939, also bis zum Kriegsbeginn; teils wird auch bis 1945 (Kriegsende) gerechnet, weil die zivile Automobilproduktion während des Krieges weitgehend ruhte. Manche Sammler meinen mit Vorkrieg sogar die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Unstrittig ist, dass der Zweite Weltkrieg die Oldtimer-Welt in eine Vor- und eine Nachkriegsära teilt. Eine klarere, international anerkannte Einordnung bietet die Klasseneinteilung der FIVA nach Bau-Epochen: Die Vorkriegszeit umfasst dort die Klassen A (Ancestor, bis 1904), B (Veteran, 1905–1918), C (Vintage, 1919–1930) und D (Post Vintage, 1931–1945). Viele Veranstalter und Clubs greifen für eine eindeutige Zuordnung auf dieses System zurück.

Technisch sind Vorkriegsfahrzeuge einfach, robust und meist gut reparabel. Elektronik im heutigen Sinn gibt es nicht; Die Bremsen wurden anfangs rein mechanisch über Gestänge oder Seilzüge betätigt; hydraulische Bremsen kamen 1921 mit dem Duesenberg Model A auf, verbreiteten sich in den 1920er- und 1930er-Jahren und waren in den 1940er-Jahren auch bei Grossserienfahrzeugen Standard. Gemisch und Zündzeitpunkt wurden vielfach von Hand eingestellt, der Start erfolgte teils noch per Kurbel. Verbreitet war die Thermosiphonkühlung ohne Wasserpumpe, bei der die Wasserumwälzung allein über den Temperaturunterschied erfolgt – im Stop-and-go-Verkehr eine Herausforderung. Im Lauf der 1930er Jahre wich die anfangs kantige, kutschenartige Form zunehmend einer strömungsgünstigeren, stromlinienförmigen Gestaltung.

Im Rallyesport sind Vorkriegsfahrzeuge gesuchte Raritäten und prägen das Bild vieler Klassik-Veranstaltungen. Einzelne Rallyes richten sich gezielt nur an Vorkriegsfahrzeuge. Ihr Betrieb verlangt Erfahrung und Vorbereitung, und die Ersatzteilversorgung läuft oft fast ausschliesslich über Markenclubs – gerade bei deutschen Herstellern, deren Archive und Ersatzteillager im Krieg teils zerstört wurden. Wer ein Vorkriegsfahrzeug bewegt, unternimmt damit zugleich eine Zeitreise in die frühe Automobilgeschichte.

Quellen: FIVA – Vehicle Categories; Wikipedia: Oldtimer; SHVF – Definition Fahrzeuge; ASME – The Brakes That Got America Moving.

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