Regularity Rallye

Klassiker-Motorsport, bei dem nicht Tempo, sondern Präzision zählt: vorgegebene Sollzeiten und Durchschnittsgeschwindigkeiten möglichst exakt einhalten.

Was ist eine Regularity Rallye?

Eine Regularity Rallye – im Deutschen auch Gleichmässigkeitsrallye genannt – ist eine Form des Klassiker-Motorsports, bei der nicht die höchste Geschwindigkeit über den Sieg entscheidet, sondern die Präzision. Die Crew aus Fahrer und Beifahrer muss vorgegebene Durchschnittsgeschwindigkeiten und Sollzeiten über abgegrenzte Abschnitte so exakt wie möglich einhalten. Jede Abweichung – zu früh wie zu spät – bringt Strafpunkte; am Ende gewinnt das Team mit der grössten Konstanz, nicht mit dem stärksten Motor.

Gefahren wird meist auf öffentlichen Strassen unter Einhaltung der Verkehrsregeln, navigiert wird nach einem Roadbook. Das macht die Disziplin für historische Fahrzeuge ideal: Es zählt Gleichmässigkeit statt Materialbelastung, und auch Einsteiger mit einem serienmässigen Oldtimer können mithalten. Präzise Zeitmessung, saubere Distanzmessung mit einem Tripmeter und eine gute Zusammenarbeit im Cockpit sind wichtiger als Pferdestärken. Regularity Rallyes reichen vom eintägigen Regionaltermin bis zum mehrtägigen internationalen Klassiker und bilden heute einen der grössten Bereiche des historischen Motorsports.

Wie eine Regularity Rallye gewertet wird

Herzstück jeder Regularity Rallye sind die Wertungsabschnitte: die Gleichmässigkeitsprüfung (Average Speed Test), bei der eine Durchschnittsgeschwindigkeit zu halten ist, und die Zeitprüfung (Time Trial), bei der eine Sollzeit punktgenau zu treffen ist. Dazwischen liegen Verbindungsetappen mit Zeitkontrollen, an denen ebenfalls eine Sollzeit gilt. Gemessen wird an Kontrollpunkten, oft auf die Hundertstelsekunde. Wer eine Durchfahrts- oder Stempelkontrolle auslässt oder die vorgegebene Marschroute verlässt, kassiert zusätzliche Strafpunkte. Gewertet wird die Summe aller Abweichungen – das präziseste Team gewinnt.

Typischer Ablauf einer Regularity Rallye

Gestartet wird meist einzeln in der Reihenfolge der Startnummern und in festen Zeitabständen von 30 Sekunden bis zwei Minuten. Die Strecke ist in Etappen gegliedert, die sich aus Verbindungsabschnitten, Wertungsprüfungen und Neutralisationen zusammensetzen. Jede Crew erhält ein Roadbook mit der Marschroute – dargestellt über Chinesenzeichen, Kartenausschnitte oder Orientierungsaufgaben – und hält an den Zeitkontrollen ihre persönliche Sollzeit ein. Zur Pflicht vor dem Start gehört die Uhrensynchronisation mit der offiziellen Veranstalterzeit, damit die eigene Zeitmessung sekundengenau passt.

Ausrüstung und Vorbereitung

Die wichtigsten Hilfsmittel sitzen beim Beifahrer: ein kalibrierter Tripmeter für die exakte Distanz, eine oder mehrere Stoppuhren sowie Schnitttabellen, die zu jeder Distanz die zugehörige Sollzeit liefern. Viele Teams setzen zusätzlich spezialisierte Rallye-Computer ein. Ebenso wichtig ist die Vorbereitung: das Roadbook studieren, die Schnitte durchrechnen und die Rollenverteilung im Cockpit einüben. Denn gewonnen wird eine Regularity Rallye nicht in einer einzelnen schnellen Kurve, sondern über Stunden konstanter, fehlerfreier Arbeit.

Abgrenzung zu anderen Veranstaltungsformen

Die Regularity Rallye wird oft mit anderen Formaten verwechselt. Der entscheidende Unterschied liegt im Wertungsprinzip: Geht es um Präzision, um Bestzeit – oder findet überhaupt keine sportliche Wertung statt?

KriteriumRegularity RallyeSprint / Rallye-SprintBergrennenOldtimer-Ausfahrt
WertungsprinzipPräzision: Sollzeiten und Schnitte exakt treffenBestzeit: so schnell wie möglichBestzeit bergaufkeine sportliche Wertung
Rolle der Geschwindigkeitbewusst niedrig und konstantmaximalmaximalfrei, gemütlich
Streckeöffentliche Strassen, Navigation per Roadbookabgesperrte Wertungsprüfungenabgesperrte Bergstreckeöffentliche Strassen
Wichtigstes KönnenZeit- und Distanzpräzision, Navigation, TeamworkFahrtempo, FahrzeugkontrolleFahrtempo, Mutkeines nötig
Wettbewerbja, nach Strafpunktenja, nach Zeitja, nach Zeitnein
Typische FahrzeugeOldtimer und Youngtimer, oft seriennahSport- und RallyefahrzeugeRenn- und SportfahrzeugeOldtimer aller Art

Kurz gesagt: Beim Sprint und beim Bergrennen gewinnt, wer am schnellsten ist; bei der Oldtimer-Ausfahrt geht es gar nicht um eine Platzierung; bei der Regularity Rallye gewinnt, wer am genauesten fährt.

Für wen sich die Disziplin eignet

Weil kein Tempo-Risiko gefahren wird, ist die Regularity Rallye schonend für Fahrzeug und Insassen und zugleich anspruchsvoll: Sie verlangt Konzentration, Kopfrechnen und eingespieltes Teamwork über viele Stunden. Genau deshalb gilt sie als einer der zugänglichsten und beliebtesten Einstiege in den historischen Motorsport – vom Clubevent bis zur grossen Markenrallye. Wer einmal die Faszination der punktgenauen Zeit erlebt hat, bleibt der Disziplin meist treu – Fahrzeug, Budget und Fahrkönnen spielen dabei eine kleinere Rolle als bei jeder anderen Form des Motorsports.

Glossar von A bis Z

Zur Glossar-ÜbersichtGlossar von A bis Z

Verwandte Begriffe

Roadbook

Das Handbuch jedes Teams: enthält Ablauf, Zeiten und die komplette Route – meist über Tulpen und Kilometerangaben. Grundlage jeder Rallye.

TSD-Rallye

Time-Speed-Distance-Rallye: Gleichmässigkeitsformat, bei dem aus Zeit, Geschwindigkeit und Distanz vorgegebene Schnitte exakt einzuhalten sind.

Zeitprüfung (ZP)

Wertungsabschnitt, auf dem eine einzelne vorgegebene Sollzeit möglichst exakt zu treffen ist (Abk. ZP); gleichbedeutend mit der Sollzeitprüfung (SZP). Anders als bei der GLP zählt die Ziel-Sollzeit, nicht der konstant zu haltende Schnitt.

Neue Rallyes. Besondere Empfehlungen. Relevante Updates.

Jetzt Newsletter abonnieren – direkt ins Postfach: Rallyes, News und Highlights.