Karkasse
Das tragende Gewebegerüst im Inneren des Reifens: Kordlagen von Wulst zu Wulst, die Last und Luftdruck aufnehmen. Ihre Anordnung entscheidet über die Bauart – diagonal oder radial.
Die Karkasse ist das tragende Gerüst des Reifens: mehrere Lagen gummierten Kordgewebes – früher Baumwolle, später Rayon, Nylon oder Stahl –, die von Wulst zu Wulst gespannt sind. Sie nimmt den Luftdruck auf, trägt die Fahrzeuglast, überträgt Antriebs-, Brems- und Seitenkräfte und gibt dem Reifen seine Form. Die Zahl der Lagen wird traditionell als Ply-Rating angegeben, etwa 4PR.
Die Anordnung der Kordfäden definiert die Bauart: Kreuzen sich die Lagen schräg zur Laufrichtung, entsteht der Diagonalreifen; verlaufen die Fäden im 90-Grad-Winkel von Wulst zu Wulst und stabilisiert darüber ein Gürtel die Lauffläche, spricht man vom Radialreifen. Die Karkasse ist damit das Bauteil, an dem sich die beiden Welten historischer und moderner Bereifung technisch scheiden.
Für Oldtimer besonders wichtig: Die Karkasse altert auch ohne Fahrleistung. Weichmacher entweichen, das Gewebe ermüdet, feine Risse in Flanke und Wulstbereich sind Warnzeichen – ein Reifen mit gutem Profil kann daher trotzdem am Ende sein. Als Faustregel gelten rund zehn Jahre ab Herstellungsdatum (DOT-Nummer), bei wenig bewegten Fahrzeugen mit langen Standzeiten eher weniger. Wer historisch fährt, prüft die Karkasse deshalb regelmässiger als das Profil.
Glossar von A bis Z
Verwandte Begriffe
Regularity Rallye
Klassiker-Motorsport, bei dem nicht Tempo, sondern Präzision zählt: vorgegebene Sollzeiten und Durchschnittsgeschwindigkeiten möglichst exakt einhalten.
Diagonalreifen
Die klassische Reifenbauart, bei der die Karkassenlagen schräg gekreuzt übereinanderliegen. Bis in die 1960er-Jahre Standard – und für viele Oldtimer die periodengerechte Bereifung.
Radialreifen
Die moderne Reifenbauart mit radial gestellten Karkassenfäden und stabilisierendem Gürtel. Ab den 1940ern eingeführt, verdrängte sie den Diagonalreifen – mehr Haftung, weniger Verschleiss.